Keine Tränen für Jeff Atwood
Ich weiss nicht ob ich weinen oder lachen soll, aber ich kann nicht an mich halten und muss Jeff Atwood zu seiner Dummheit gratulieren.
Wie auch Fefe faktenfrei lamentierte, hat sich Jeff einen IBM/Lenovo Server gekauft und zwar ohne Festplatten. Nun bemängelt er, dass ihm Lenovo die benötigten Schlitten nur mitsamt Hard Disks verkaufen möchte und das zu "überhöhten" Preisen.
Da wir im Büro viel mit Lenovo und IBM zu tun haben, muss ich sagen: Selbst schuld. Und bevor es mir in den Kommentaren vorgehalten wird: Ja, wir verkaufen den Sjit auch. Aber wer die Branche nicht kennt, sollte sich kein Urteil anmassen und lieber Supermicro oder anderen "Whitebox" Krempel kaufen.
Zunächst ist die Hardware die er sich da zusammenklickte nicht verkehrt, denn jedes der echt wenigen Male wenn an einem IBM Server etwas kaputt ging, war das Ersatzteil oder ein Techie prompt zur Stelle und weiter gings. Nur hätte ihn jeder echte IBM Partner sofort auf die Festplatten hingewiesen, d.h. jetzt hinterher zu jammern zeugt nur davon, dass er sich vorher nicht über das Ding informiert hat. Das ist die erste Dummheit.
Die zweite Dummheit steckt in der Tatsache zu glauben, dass die Disks aus purer Profitgier teurer sind. Denn IBM gibt allen Serverbestandteilen (dazu gehören auch Festplatten) mindestens CRU mit, d.h. es kommt nach dem aufmachen eines sogenannten "Calls" bei IBM bereits nach wenigen Tagen, vorab, meist per UPS, eine Customer Replaceable Unit, eine vom Kunden austauschbare Einheit, also das Ersatzteil. Wenn er sich bei seinem Kistenschieber dagegen Festplatten ordert, heisst es dagegen wenn das Ding defekt ist, bitte einschicken. Aber welcher Eigentümer von so einem Server betreibt das Teil dann 2-6 Wochen ohne Ersatzfestplatte? Entweder ich benötige die Ausfallsicherheit und damit auch den zügigen Kundenservice, oder ich benötige sie nicht, aber wozu wurde dann der Server beschafft? Dann hätte auch ein Aldi PC als Datenbunker über die Windows Freigabe gereicht.
Nebenbei bemerkt kann man bei IBM eine sogenannte "Fixtime" auf bis zu vier Stunden buchen, die kostet dann natürlich entsprechend mehr Asche aber nach vier Stunden ist die Box, egal welches Bauteil es ist, repariert. Auch an Weihnachten oder im Hochsommer. Achtet mal darauf, wer "Reaktionszeit" und wer "Fixtime" in die Bedingungen schreibt. Reaktionszeit kann auch bedeuten: "Es ging jemand ans Telefon".
Der Dummheit Teil 3: IBM prüft die Festplatten auf Verträglichkeit mit dem System, denn ihr werdet es nicht glauben (aber ihr ahnt es sicher bereits): Die Chinesen haben manchmal nicht alle Bits im Register. Das geht dann von "Festplattensystem liefert I/O Fehler unter Linux alle 8 Wochen" aufgrund von fehlerhafter Drive Firmware bis hin zum eher harmlosen Problem eines nicht-funktionalen PFA Status. PFA?
PFA ist ein gutes Stichwort, es ist die vierte Dummheit. PFA bedeutet Predictive Failure Analysis, d.h. die Festplatte prüft sich ständig selbst und versucht zu erkennen, wenn es mit ihr schleichend oder auch galoppierend zuende geht. IBM tauscht eine noch funktionale Festplatte mit PFA Warnung aus. Langjährige IBM Kunden wissen das natürlich, für sie zählt auch nicht der Anschaffungspreis per se sondern die gesamten Kosten auf die Abschreibedauer von sagen wir drei Jahre.
Kommen wir bevor ihr mir alle endgültig einschlaft noch schnell zu Express Sellern und Promos, der letzten Dummheit, Nummer 5. Hier verkaufen die Distributoren palettenweise meist schon recht komplette Server (Remote Management oder RAID5/6 mit Batterie Cache schon inklusive, usw.) zu vergünstigten Preisen. In Summe hätte Jeff dann bei seinem Gesamtsystem den Aufschlag für die Festplatten locker hereinholen können, wenns denn z.B. keine 2.66 GHz Xeon CPU sein musste sondern auch ein 2.33 GHz Xeon getan hätte (bei Express Sellern sind manche Optionen vorgegeben).
Insofern ist es schlicht lächerlich, wenn Fefe von einem "Tier 1" Hardware Hersteller lieber zu einem "Tier 2" OEM Schuppen wie Sun tendiert. Viel Spass am Gerät wünsche ich! (Mit Dank an arw für die Lacher)
Religionskritik beim Bundesnachrichtendienst für Nerds
Wie immer, wenn Fefe nicht nur einen kurzen Einzeiler sondern einen längeren Kommentar oder Rant schreibt, gibt es Stoff zur Diskussion. Dieses Mal geht er mit der Seitics Meinung absolut d'accord, verpasst es aber am Ende prompt, erschöpfend Wege zur Resolution des Debakels zu erörtern.
Eines noch vorweg: Ich wurde von David darauf hingewiesen, dass das Lesen meiner Artikel durch Zitate erheblich vereinfacht würde, weil man dann nicht erst den Original Artikel lesen muss. Das ist richtig und ich werde mich bemühen, aber oft übersehe ich bei der Verfassung von Artikeln schlicht die Notwendigkeit. Mea culpa.
Der Spiegel schreibt in seiner Online Ausgabe von zwei Schülern, die es wagten, sich in der bundesweit erscheinenden Schülerzeitung "Q-Rage" (ein Wortspiel auf das englische "Courage") kritisch mit der Bewegung der evangelikalen Christen und ihrem Kongress "Christival" in Bremen auseinanderzusetzen. Ich habe den Artikel gelesen und verlinke das PDF ausnahmsweise per Deep Link weil die Spiegel Online Kopie bei mir total kaputt war und ich doch 10 Minuten suchen musste um eine gute Kopie zu finden.
Was schreibt Fefe: Er regt sich (in meinen Augen zurecht) über die Religionsverbreitung an den Grundschulen auf, die den Kindern per Brainwashing Religion ins Gehirn zementiert. Insbesondere kritisiert er die hässliche Fratze der Religion hier in Deutschland, die evangelikalen Christen, die die Bibel wörtlich nehmen und sich in Bremen bei besagtem "Christival" entsprechend benahmen. In dem Q-Rage Artikel wird kritisiert, dass die vielen tausend Jugendlichen bei dem besagten "Christival" in Bremen mit ihrer Religion durch die Strassen hausieren gegangen sind, offiziell gutgeheissen von Ursula von der Leyen (CDU) und anderen Politikern. Fefe endet mit der Aufforderung, an Schulen religionsfreien Unterricht einzuführen ("Laizismus") um den Menschen ein "unversklavtes" Leben zu ermöglichen. Aber reicht dies aus?
Liest man nämlich den Q-Rage Artikel, so fällt die radikale und verfassungsfeindliche Anlage dieser evangelikalen Christen offen ins Auge. Nicht nur, dass Menschen ihren Lebensmittelpunkt auf Jesus verlegen und damit in meinen Augen unmündig und Scientology-gleich zu Drohnen ihrer Meister werden (siehe Artikel, die Jugendlichen gehen mit ihrer Religion durch die Strassen regelrecht hausieren), nein, es sollte auf dem "Christival" Kongress auch noch zwei Seminare geben mit den Titeln "Seminar Homosexualität verstehen - Chance zur Veränderung" und "Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?". Das erste entfiel nach politischem Druck von Frau von der Leyen, das zweite fand aber dennoch statt. Man muss kein Hellseher sein um zu erkennen, dass es hier offensichtlich um eine "Bekehrung" oder schlimmer gar "Heilung" von Homosexuellen und um Contra wider der freien Selbstbestimmung von Frauen und Paaren gehen sollte. Im dritten Reich wurden nicht-heterosexuell orientierte Menschen auch schon versucht zu heilen und nicht zuletzt aufgrund dieser schlimmen Ereignisse wurde Art.2 Abs 1 "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit" im Grundgesetz gleich zu Beginn verankert.
Ich behaupte: Es reicht nicht aus, alle deutschen Schulen zur religionsfreien Zone zu erklären wie Fefe es fordert. Es ist höchstens ein Anfang.
Zum einen hat unsere politische Kaste wieder einmal versagt, den Staat von der Kirche strikt zu trennen und stattdessen werden radikale Missionare wie die evangelikalen Christen auch noch durch Gutheissung befördert. Man muß es der Familienministerin ja geradezu noch anrechnen, das Homosexualitätsseminar doch noch verhindert zu haben. Wo bleibt die Frage "Strikte Trennung von Staat und Kirche" in den Wahl-O-Mat Online Angeboten? Thomas Krüger hat für seinen evangelikalkritischen Begleitbrief bereits harsche Kritik hinnehmen müssen, aber als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung ist er auch für das Wahl-O-Mat Angebot federführend. Ist er ein Umfaller? Ich hoffe er ist es nicht.
Der nächste Schritt ist die öffentliche Ächtung aller Tendenzen, andere Menschen -welcher Konfession auch immer- grundgesetzfeindlich bekehren zu wollen. Art.4 GG garantiert auch Moslems und Juden die absolute Freiheit in ihrer Religionsausübung. Die evangelikalen Christen sind aber in bester Gesellschaft, auch der derzeitge Papst hat letzte Ostern geglaubt, Andersgläubige mit Gebeten für eine Erleuchtung bedenken zu müssen. Transzendiert in die Politik könnte dies sogar die unsäglichen weil militärisch untermauerten Bemühungen um Einführung von Demokratie weltweit einschliessen.
Es ist schlussendlich die Pflicht der Wissenschaften, der Humanisten, der Atheisten und Agnostiker und damit aller Philantrophen, die Menschheit über eine zweite Aufklärung von der Geissel der Religionen zu befreien und auf die nächste Stufe einer sozialen Evolution zu führen. Der Physik Nobelpreisträger Steven Weinberg hat es in der BBC Dokumentation "The Atheism Tapes" von Jonathan Miller wie folgt auf den Punkt gebracht:
"Weinberg tells a story of Abdus Salam, a devout Muslim, who wanted to introduce science to the Gulf states. Salam had a very hard time. They liked technology over there but they found science to be corrosive of their belief. Damn it, I think they were right, Weinberg says. It is corrosive of religious belief and it's a good thing, too."
Amen. ![]()
Scareware ist nicht gleich Antivirus Software
Wenn Fefe den von ihm zitierten Artikel gelesen und verstanden hätte, wüsste er, dass es um Scareware und nicht um Antivirus Software geht. Scareware dient im Gegensatz zu "echter" Antivirus Software dazu, dem Benutzer eine oft vollkommen nicht-funktionale "Sicherheitslösung" aufzuschwatzen, d.h. man zahlt für eine Schutzleistung, die zwar stärkstens beworben wird, aber keinen Pfifferling wert ist.
Natürlich leben Symantec oder Kaspersky von den Sicherheitsproblemen anderer, aber ihre Produkte enthalten einen fairen Gegenwert fürs Geld: Sie finden Viren, Trojaner und sonstige Malware, die gemeinhin im Umlauf ist. Natürlich finden sie keine 100%, aber die üblichen ITW ("in-the-wild") Exemplare haben alle in den Signaturdatenbanken und mit diesen Exemplaren hat man es fast ausschliesslich zu tun.
Wer kauft heute noch ein Auto ohne Airbags? Niemand, und das obwohl die Airbags auch nur bei Unfällen bis so und soviel km/h Geschwindigkeit etwas bringen. Siehe Haiders Unfall in seinem Phaeton. Also schön mal die Kirche im Dorf lassen.
Kleiner Nachtrag: Auf AV-Comparatives könnt ihr euch informieren wie "schlecht" Symantec und Kaspersky wirklich sind.
Sarah Wagenknecht und die böse Krise
Fefe pflichtet in diesem Eintrag Sarah Wagenknecht bei, und zwar bzgl. ihrer Theorie, daß wegen dieser allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise nun unsere Demokratie vor die Hunde geht. Oh weh, oh weh!
Bis unlängst guckte ich mir zuweilen im TV Diskussionsrunden mit dieser Dame an und was soll ich sagen, sie zählt du den Personen bei denen ich nun sofort innerhalb von Millisekunden weiterzappe. Sofern ich den Kasten überhaupt noch einschalte.
Was ist mit dieser Dame los? Ist sie einfach nur nervös und verhaspelt sich dann mit Lafontaines "die 2. Halle gehört zur Hälfte der Belegschaft" Wahnvorstellungen? Oder ist sie inkompetent und plappert nur fehlerhaft das nach, was ihre Parteikollegen an Programatik vorlegen? Mir eigentlich auch egal was der wahre Grund ist, denn sie ist auf dem Holzweg!
Unsere Demokratie wird nicht - wie sie behauptet - durch Wirtschaftskrisen abgebaut und zerstört sondern z.B. durch Beeinflussung der Politiker in unserer indirekten Demokratie durch Lobbyisten, handwerkliche Glanzstücke (Stichwort Huber und die BayernLB) oder schlicht vermeintliche "dem Volk aufs Maul geschaut"-Aktionen um dem allgemeinen "im Internet muss dringend XY verhindert werden"-Tenor in der schlecht oder gar falsch informierten Gesellschaft Rechnung zu tragen. Unser Rollstuhlminister handelt sicher nach bestem Wissen und Gewissen und ich bin sicher, viele Menschen billigen seine Initiativen wider dem freiheitlichen Gesellschaftsmodell. Irgendwas muss man ja gegen die Heerscharen von Terroristen, die das Internet nutzen, ja machen.
Sie hat nun auch ein Buch zur Krise geschrieben, na bravo. Wenn sie sich schon Sorgen über unsere Demokratie macht, hätte sie die Zeit besser nutzen sollen um mehr Elemente einer direkten Demokratie mit Vorbild Schweiz bei uns salonfähig zu machen. In zwei bis drei Jahren ist diese Krise aufgrund der ausserordentlich robusten Strukturen in Deutschland nämlich passé, die verlausten Lobbyisten sind aber dann immer noch da.
Mit dieser Dame habe ich so rein gar nichts gemein und besser ist das.
fefewatch
Sicher kennt ihr das BILDblog, das "Kritische Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung" publiziert. Das ist - sieht man sich die Fehlerchen des Blattes an - eigentlich zwar bitter nötig, aber man kann argumentieren wer Bild liest kriegt was er verdient.
Auf ein ähnliches Niveau steigt ab und an ein alter Bekannter des kommentierenden Links-Online-Blog-Bashing-Journalismus herunter, Herr von Leitner (besser bekannt wohl als "fefe"). Nun kann man ebenso argumentieren, daß es auch hier sinnfrei ist, zu kommentieren was er kommentiert, denn wer sein Blog ansteuert, bekommt was er verdient. Richtig.
Was mich aber auch nicht davon abhalten wird, ab und an in der "fefewatch" Sektion ein paar seiner Kommentare zu kommentieren. Dass Angehörige unserer Schlapphut Fraktion nachweislich (danke T-Systems) auch seine täglichen Aufgüsse lesen, halte ich nicht für ein Qualitätskriterium.